Mai 2003

Buchtipp - Rainer Beuthel,
Stadtbücherei Eckernförde


  Gelten Dashiell Hammett und Raymond Chandler als Klassiker des modernen Kriminalromans, so ist der Urvater im Genre des Spionage- und Politthrillers Eric Ambler. Von ihm haben sie alle gelernt - von Greene bis Forsyth, Follett oder LeCarré.

 Amblers Werke waren schon eine Zeit lang im Bestand der Stadtbücherei nicht mehr vertreten, was nicht unbedingt gegen sie spricht. Denn was viel gelesen wird, ist auch irgendwann zerlesen und fliegt raus. Aber man kann ja nachkaufen.

 Gründe, Ambler zu lesen, gibt es genug. Wer seine Romane aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zur Hand nimmt, fragt sich, ob er eigentlich lachen oder weinen soll über die Aktualität der geschilderten Zustände (mir jedenfalls ging es so): da sind z.B. die britischen Waffenhändler, die geheime Geschäfte mit dem faschistischen Italien einfädeln...("Anlaß zur Unruhe"). Sofort kommen einem die aktuellen Parallelen in den Sinn: Wer lieferte nicht alles Waffen in den Irak? Oder an die Taliban?

  Erinnert sich noch jemand an die Kontroverse um deutsche Waffenlieferungen an die Türkei zur Zeit des blutigen Krieges zwischen der türkischen Armee und der kurdischen PKK? Oder an den mysteriösen Tod eines schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten, der in Waffengeschäfte verwickelt gewesen sein soll? Wer davon nichts mehr wissen will, darf auch nicht Amblers "Die Angst reist mit" lesen, geschrieben 1940.

  Aber keine Angst, Amblers Romane sind keine in eine Thriller-Handlung "verpackten" Politiksachbücher. Sie sind einfach unheimlich spannend zu lesen und beschreiben den (hoffnungslosen?) Zustand einer von Geld und Lüge regierten Welt. Anlaß zur Unruhe, wie auch Anlaß zum Lesen.


 Die drei "Ambler-Nachkäufe" der Stadtbücherei (Die Angst reist mit / Anlaß zur Unruhe / Schirmers Erbschaft) sind als preisgünstige Diogenes-Taschenbücher im Buchhandel erhältlich.

Rainer Beuthel



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