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Hamann, Andreas/ Giese, Gudrun: Schwarzbuch Lidl. Billig auf Kosten der Beschäftigten. Verlag ver.di gmbh. medien, 2004. Signatur Stadtbücherei: Soz 385 H |
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Schöne neue Arbeitswelt Wer in diesen Tagen durch die Eckernförder Ostlandstraße geht oder fährt, stößt auf eine ziemlich große Baustelle. Auf einem ehemaligen Kleingartengelände wird ein Lidl-Markt errichtet. Dies soll Anlaß sein, auf ein Buch hinzuweisen, das dem zukünftigen Kunden einen kritischen Blick auf diesen bundesweit operierenden "Lebensmittel-Discounter" ermöglicht und ihm die Entscheidung erleichtert, ob er zukünftig ausgerechnet dort einkaufen will. Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis des Buches liest sich wie die Beschreibung eines Horror-Kabinetts: "Das System Lidl: Expansion und Angst" / Interview: "Ich hätte in dieser Situation sogar mein Todesurteil unterschrieben" / "Drei Stunden Verhör und Schuh-Kontrolle" / "Unter 55 Stunden werden Sie hier nicht arbeiten" / "Belegschaft einer Filiale reagiert: Betriebsratswahl nach Dauermobbing." Und liest man sich ein wenig in das Buch ein, kriegt man wirklich das Grausen. Da berichtet beispielsweise eine Verkäuferin: "Der Vertriebsleiter setzt die Verkäufer/innen und Filalverantwortlichen stark unter Druck. Einige Standardsprüche lauten: Sie sind zu blöd zum Bestellen. Sie sollten aufhören zu arbeiten; sie sind zu alt. Sind sie zu doof, das Brot einzuräumen? Es gibt über vier Millionen Arbeitslose, wollen Sie dazugehören?" Oder eine andere: "Pro Minute muss jede Lidl-Verkäuferin vierzig Produkte über den Kassenscanner ziehen. Wer diese Vorgabe vier Monate nach der Einstellung nicht schafft, fliegt. Zur Not werden dafür dann auch Kündigungsgründe konstruiert; etwa der Griff in die Kasse oder in die Pfandkasse." Oder: "Krank darf man nicht sein, ich selbst habe mit fast 40 Grad Fieber an der Kasse gearbeitet, man drohte mir, wehe, ich bringe einen Krankenschein. Ein Zusammenbruch folgte, dann doch meine Krankschreibung, vielleicht war das der Grund für meine Kündigung." Nettes Betriebsklima! Wäre all dies eine bloße Erfindung, hätte der Lidl-Konzern das von der Gewerkschaft ver.di herausgegebene "Schwarzbuch Lidl" vermutlich längst vom Markt geklagt. Es hat sich jedoch seit seinem Erscheinen im Jahr 2004 zu einem heimlichen Bestseller gemausert. Es macht Betroffenen Mut, sich gegen Unternehmerwillkür zur Wehr zu setzen, und schärft den Blick des kritischen Verbrauchers. Hamann, Andreas/ Giese, Gudrun: Schwarzbuch Lidl. Billig auf Kosten der Beschäftigten.- Verlag ver.di gmbh. medien, 2004.- Stadtbücherei Eckernförde, Signatur: Soz 385 H Rainer Beuthel |
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