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| Zugegeben, dies Buch ist ziemlich verrückt. Es beginnt harmlos: ein etwas verbummelter Dubliner Student, der bei seinem Onkel lebt, hockt auf seiner Bude. Des Studenten Lieblingsbeschäftigungen sind im allgemeinen Porter und Whiskey trinken und ganz-viel-im-Bett-liegen. Doch jetzt will er einen Roman verfassen, denkt sich drei verschiedene Anfänge für dieses Buch aus und beginnt zu schreiben... Und schon hat es uns gepackt: da erzählt Finn, eine in die Gegenwart versetzte altirische Sagengestalt, die Geschichte von Sweeny, dem verückt gewordenen König, der auf den Bäumen lebte und dichtete. Finn ist eine von vielen Gestalten aus dem Romanmanuskript eines gewissen Trellis, Hotelbesitzer und ebenfalls stinkefaul wie unser Dubliner Student. Trellis' literarische Geschöpfe, allesamt Bewohner seines Hotels, verschwören sich zu Ende seines Romans gegen den Autor und machen ihm mit Hilfe des Pooka McPhellimey, eines mehrschwänzigen Teufels in Menschengestalt, den Garaus. Vorher hatten sie Trellis schon kapitelweise unter eine Schlafdroge gesetzt, damit er nicht so viel Unerwünschtes über sie schriebe. Jetzt schreiben sie über ihn. Wir haben also nicht nur das "Buch im Buch", sondern die Akteure des Buches im Buch drehen den Spieß gegen einen nur scheinbar allmächtigen Erzähler um. Da hat man als Autor nichts mehr zu lachen. Der Leser lacht dafür um so mehr, und unser Dubliner Student samt Kumpane können sich ebenfalls ins Fäustchen lachen, sich gegenseitig aus dem Manuskript vorlesen, und Porter tanken. Dieses Buch übers Schreiben ist schrecklich verwirrend, schön skurril, aber auch einfach lustig - große Literatur in der Tradition eines Jonathan Swift oder Laurence Sterne. Erschienen in Irland 1939 liegt O'Briens Roman jetzt in einer deutschen Neuausgabe vor, kongenial übersetzt von Harry Rowohlt. O'Brien, Flann: Auf Schwimmen-zwei-Vögel oder Sweeny auf den Bäumen.- Übersetzt von Harry Rowohlt.- Zürich: Verlag Kein & Aber, 2002. Euro 19.- Rainer Beuthel |
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