Juli 2007

Buchtipp - Rainer Beuthel,
Stadtbücherei Eckernförde

Mahn, Christina:
Käte Lassen 1880-1956. Grenzgängerin der Moderne.

Heide: Boyens-Verlag, 2007. Euro 34.-

Signatur der Stadtbücherei: SH 511 LAS

Mit dem im Boyens-Verlag erschienenen Buch liegt eine umfassende, den aktuellen Forschungsstand berücksichtigende Monographie über die schleswig-holsteinische Malerin Käte Lassen vor - schön gestaltet mit zahlreichen Abbildungen und gut zu lesen.
Lassen, von der Autorin als "Grenzgängerin der Moderne" charakterisiert, hat in ihrer Kunst vielfältige Wege beschritten, Einflüsse des Expressionismus wie auch "nordischer" (Volks-)Kunst verarbeitet. Mit Werken wie dem "Schwertertanz" (1938/39), einem Wandgemälde für die Aula der damaligen Jungmannschule in Eckernförde (heute Pestalozzischule), hat sie allerdings die Grenze zu einer germanentümelnden völkischen Kunstauffassung überschritten und sich gewollt oder ungewollt in den Dienst der Nationalsozialisten gestellt. Noch deutlicher wird dies im Fall eines Hitler-Porträts, einem Auftragswerk für die Flensburger Creditbank aus dem Jahr 1941 - was insgesamt die Bedeutung Lassens nicht schmälert, aber eine Problematik aufzeigt, der nicht wenige deutsche KünstlerInnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unterlagen. Nolde etwa war Mitglied der (nordschleswigschen) Nazipartei, später wurde er selbst Opfer von Repressionen - nachdem der von Goebbels zunächst protegierte Expressionismus nach 1935 verfemt worden war. Lassen ging den umgekehrten Weg von der Distanz zur Anpassung an das "Dritte Reich".
Aus Eckernförder Sicht ist natürlich besonders der Fall des Lassenschen "Schwertertanzes" interessant. Das Bild wurde nach 1945 übermalt, im Zuge einer Renovierung der Aula 1989 "wiederentdeckt" und befindet sich (hoffentlich für immer) hinter einer Verkleidung verborgen. Daß sich die Autorin fragt, warum in einem Leserbrief der Kieler Nachrichten von 1989 eine ehemalige Schülerin der Jungmannschule (Rosemarie Eilers) Stellung zur Entstehung des Wandbildes bezog, obwohl es "sich laut zeitgenössischer Presse um eine ‚Oberschule für Jungen' handelte", verwundert etwas. Recherchen hier vor Ort hätten leicht ergeben, daß auf der Jungmannschule - wenn auch wenige - Mädchen unterrichtet wurden. Man kann es übrigens auch in Wilhelm Lehmanns "Provinzlärm" nachlesen....
Es ist zu hoffen, daß solcherart Ungenauigkeit in der Recherche nicht typisch für das gesamte Buch ist.

Rainer Beuthel



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