Buchtipp März 2010


Donovan, Gerard:
Winter in Maine.


Luchterhand 2009. 207 S. 17,95€.Roman.

Signatur der Stadtbücherei: DONO
Julius Winsome, etwa 40 Jahre alt, lebt wie ein Einsiedler in einer Hütte mitten im Wald im nordöstlichsten Zipfel der USA, unmittelbar an der Grenze zu Kanada, allein mit seinem Hund. Seine Mutter starb bei seiner Geburt, erzogen wurde er von seinem Vater und von der - im Verhältnis zur winzigen Hütte - riesigen Bibliothek von genau 3282 Büchern.
Durch einen Schuss ganz in der Nähe verändert sich sein Leben schlagartig: Jemand hat seinen einzigen Gefährten, den Hund Hobbes, erschossen. Wahrscheinlich ein Jäger, von denen es zum Winterbeginn in der Gegend nur so wimmelt. Julius beginnt zu grübeln, wer und warum jemand das tun konnte . Sein geordnetes unaufgeregtes Leben gerät in Aufruhr, er denkt zurück an seinen Großvater, Kriegsveteran des 1. Weltkriegs, den er nur aus den Geschichten seines Vaters kennt. Er denkt an seinen Vater, der ihn lehrte, Shakespeare zu verstehen (und die tausenden anderen Werke). Und er muss an Claire denken, die einzige Frau in seinem Leben, die ihn einen Sommer lang besuchte und ihn überraschend wieder verließ. Sie hatte ihm zum Hund geraten, und nun fehlt ihm dieser Partner, mehr als er es sich hätte vorstellen können. Julius kramt das vom Großvater geerbte, vom Vater und ihm selbst nie benutzte Gewehr aus - und rächt sich....

Es ist eine sehr intensive Geschichte, die Gerard Donovan da erzählt. Sie hat meditativ-philosophische Seiten, ist dabei aber auch so spannend, dass sie den Leser schnell in ihren Bann zieht. Nie ist vorhersehbar, wie sich das Geschehen weiter entwickelt. Rückblicke sind geschickt eingebaut und erhöhen das Spannungsmoment. Das unerhörte Ereignis wirft den tragischen Helden aus der Bahn - er kann nicht mehr rational denken und handeln, und als Leser ertappt man sich, Verständnis für einen Täter aufzubringen.
Man mag das Buch einen Thriller nennen. Aber einen absolut Ungewöhnlichen, denn nach welcher Thriller-Lektüre möchte man am liebsten mal wieder Shakespeare lesen?

Signatur der Stadtbücherei: DONO im OG

Dipl.-Bibl. Hans-Jürgen Simon, Stadtbücherei Eckernförde




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